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Lehrer in Neuffen: „Etwas Bleibendes und Sinnvolles tun“
Zwei Neuffener Realschüler haben ihren Lehrer Bernd Amos interviewt. Im Gespräch berichtet er unter anderem über seinen Beruf, das Zeitungsprojekt und einen Klassenausflug nach München.
NEUFFEN. Philip Güther (14) und Johannes Mohand Lhadj (13) aus der Klasse 8c der Realschule Neuffen sprachen mit ihrem Klassenlehrer Bernd Amos über dessen Tätigkeit als Lehrer, das Zeitungsprojekt und den Ausflug nach München.
Was für Vor- und Nachteile sehen Sie in Ihrem Beruf?
Also ein großer Vorteil meines Berufs ist, dass er sehr abwechslungsreich ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich im Grunde etwas Sinnvolles mache: Jungen Menschen etwas beibringen und sie in ihrem Leben begleiten. Leider erlebe ich, dass der Beruf von Jahr zu Jahr anstrengender wird und mir viel Energie raubt. Das gibt mir sehr zu denken.
Was ist Ihre Meinung zur Tabletklasse?
Aus Lehrersicht ist eine Tabletklasse eine große Erleichterung, wenn es um die Vorbereitung und Gestaltung des Unterrichts geht. Materialien können den Schülerinnen und Schülern online zur Verfügung gestellt werden, man spart Kopien und auch Zeit. Auch im Unterricht kann schnell etwas recherchiert oder abgerufen werden. Große Nachteile sehe ich in der Ablenkung und auch darin, dass das handschriftliche Schreiben vernachlässigt wird. Aus Schülersicht wiederum ergeben sich Vorteile im praxisorientierten medialen Umgang.
Warum sind Sie Lehrer geworden?
Mir war immer wichtig, etwas Sinnvolles zu tun. Etwas, das bleibt. Außerdem hatte ich viele Lehrer in meiner Bekanntschaft, von der Grundschullehrerin bis zum Gymnasiallehrer. Da hatte ich ein wenig Einblick.
In welchen Fächern, die Sie unterrichten, sind die Schüler durchschnittlich am besten, und was glauben Sie wieso?
Von den Leistungen her kann ich das gar nicht so festmachen. Vom Interesse her, würde ich sagen, gefällt den Schülern Geografie am besten. Das unterrichte ich auch am liebsten. Deutsch ist nicht bei allen Schülern das Lieblingsfach, und im Fach Ethik kommt es immer wieder auf die Lerngruppe an. Wenn die richtig interessiert ist, dann kann man da auch gewinnbringend unterrichten.
Sie sind ja Geografielehrer, was ist Ihre Meinung zum Klimawandel?
Das macht mir schon Sorgen. Vor allem im Hinblick auf meine Kinder und deren Zukunft. Aber es beschäftigt mich auch, dass es vielen Menschen irgendwie völlig gleichgültig ist. Bei Kreuzfahrten, Flügen, SUVs ist die Tendenz gefühlt steigend. Da passt was nicht. Auf der anderen Seite frage ich mich aber auch, wer das alles bezahlen soll, wenn wir die Energiewende herbeiführen wollen.
Was sagen Sie zum Zeitungsprojekt?
Das ist mit das Sinnvollste, was ich im Deutschunterricht der Realschule mache. Die Schüler können an Themen arbeiten, die sie interessieren. Sie bekommen Einblick in ihr Lebensumfeld und das Geschehen auf der Welt. Sie lernen Texte erschließen und eine eigene auch kritische Meinung zu bilden. Außerdem bekommen sie Einblick in die journalistische Arbeit. Seit vielen Jahren lade ich dazu immer Herrn Warausch in die Schule ein. Das ist ein Gewinn für beide Seiten.
Was denken Sie über die Motivation von Schülern?
Die Motivation ist bestimmt immer wieder fach-, lehrer- und themenabhängig. Ich erlebe Schüler, die total interessiert, motiviert und fleißig sind. Die wollen und die können lernen. Dann habe ich Schüler, die könnten lernen, wollen aber nicht. Das hat dann unterschiedliche Gründe. Zunehmend erlebe ich aber auch Schüler, die es nicht oder nicht mehr gewohnt sind, wenn man ihnen etwas abverlangt, Anforderungen stellt, Ansprüche hat. Also Schüler, die wirkliche Probleme mit dem Leistungsprinzip haben. Wenn ich etwas erreichen will, dann muss ich halt auch etwas bringen.
Was sagen Sie zur Konzentration von Schülern?
Ich unterrichte lieber in den ersten Stunden als in den letzten. Da sind die Schüler konzentrierter.
Haben Sie einem Schüler jemals eine Klassenarbeit abgenommen, und wenn ja, weshalb?
Einmal hat einer bei einer Klassenarbeit sein Mäppchen hinter den Vorhang gestellt. Da war ein Zettel drin. Weil er dauernd aus dem Fenster geschaut hat, habe ich es dann gemerkt. Andere stellen sich bestimmt oder mit Sicherheit geschickter an.
Wie lange üben Sie diesen Beruf schon aus?
Seit 2007/2008.
Wie haben Sie den Ausflug nach München organisiert?
Ich habe zunächst am Elternabend das Einverständnis der Eltern eingeholt. Dann habe ich die Tickets bei der DB gebucht, die Jugendherberge, die Führung im Deutschen Museum, die Hop-on-Hop-off-Bus-Tour und das Abendessen. Dann musste ich alle Genehmigungen über die Schulleitung einreichen, das Geld einsammeln und die Dinge bezahlen. Insgesamt war ich knapp vier Wochen gedanklich und tatsächlich mit diesem Ausflug beschäftigt.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diese Aktivitäten in München zu machen?
Da wir nur zwei Tage Zeit hatten, war es nicht ganz einfach, ein sinnvolles Programm aufzustellen. Mir war wichtig, dass die Schüler einen Einblick und Überblick über München bekommen. Da war die Bustour auf den ersten Blick ganz sinnvoll. Hauptsächlich habe ich diesen Ausflug aber gemacht, dass die Schüler mehr zusammenwachsen und sich und mich kennenlernen. Deswegen habe ich dann auch das gemeinsame Abendessen gebucht. Im Deutschen Museum muss man einfach mal gewesen sein.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in die BMW-Welt zu gehen?
Ich war da schon mal und fand es ganz interessant. Außerdem war es ein gutes Abendprogramm nach dem Abendessen. Ich glaube, es hat den Schülern auch gefallen.
Denken Sie, dass der Ausflug uns mehr zusammengebracht hat?
Ich denke, ja. Zumindest habe ich gesehen, dass irgendwann alle irgendwie mal zusammen waren und gemeinsam Freude hatten. Das ist Grundlage von allem.