ZiS

So arbeitet die Leiterin des Tierheims in Kirchheim

Neuffener Realschülerinnen sprechen mit Sandra Nebe. Hier erklärt sie, warum eigentlich jeder helfen kann.

Das ist Tierheimleiterin Sandra Nebe mit einem ihrer Schützlinge. Foto: zis

KIRCHHEIM. Die Neuffener Realschülerinnen Lena Hörz und Zehra Bayram aus der Klasse 8c haben sich mit der Kirchheimer Tierheimleiterin Sandra Nebe unterhalten. Hier ist ihr Interview.

Seit wann sind Sie im Tierheim Kirchheim tätig?

2011 war ich das erste Mal zum Katzenstreicheln im Tierheim. Damals war es noch das alte Tierheim. Nach dem ersten Besuch habe ich direkt als ehrenamtliche Helferin angefangen. 2017 wurde das neue Tierheim eröffnet und auch da war ich wieder ehrenamtlich an mehreren Tagen in der Woche tätig. Im Oktober 2018 hat kurzfristig die Tierheimleitung aufgehört und ich habe ab November 2018 dieses Amt übernommen.

Wie lange ist Ihr Arbeitstag?

Eigentlich endet der Arbeitstag nie. Nach der Versorgung der Tiere sind noch viele andere Sachen zu tun. Es muss viel organisiert werden. Stehen ausreichend Helfer zur Verfügung, sind alle Tiere gesund, wer braucht Medikamente? Die Mitarbeiter brauchen ihre Anweisungen für die nächste Schicht, Dokumentationen, Anrufe, Soziale Medien, Homepage, Einkauf, Futterboxen leeren, Vorkontrollen machen, Verträge vorbereiten und so weiter. Bei all den Arbeiten dürfen die Tiere nicht zu kurz kommen, sie brauchen ihre Zuwendung und müssen Kontakt zu ihren Bezugspersonen haben. Am Abend muss man noch schauen, ob es Fundtiere oder vermisste Tiere gab, die veröffentlicht werden müssen. E-Mails müssen beantwortet und Termine für Interessenten müssen vereinbart werden. Der Arbeitstag überschreitet meistens die Acht-Stunden-Grenze.

Wie viele Tiere haben Sie aktuell im Heim?

Im Moment haben wir 37 Katzen, zehn Vögel, neun Kaninchen und neun Grundstückskatzen. Auf den Pflegestellen sind noch einmal fünf Katzen und zwei Hunde.

Welche Tierarten nehmen Sie auf?

Alle Tierarten, die als Haustiere gelten. Katzen, Hunde, Kaninchen, Vögel, Meerschweinchen, Hamster, Ratten, Mäuse, Schildkröten. In diesem Jahr sind noch sehr viele Igel dazu gekommen, weil sie ohne menschliche Hilfe nicht mehr überleben können. Für Wildtiere wären wir eigentlich nicht zuständig.

Woher kommen die Tiere meistens? Fundtier, Unfalltiere oder Abgabe?

Die meisten Tiere sind Fundtiere, zu denen auch die Unfalltiere gehören. Abgabetiere können wir leider nur nehmen, wenn die Kapazitäten dafür vorhanden sind.

Wie werden die Tiere gehalten? Im Zwinger?

Die Katzen sind in kleinen Gruppen in Katzenzimmern untergebracht. Fast alle Katzenzimmer haben ein angrenzendes Außengehege. Für Hunde haben wir einen beheizten Notzwinger, wo sie für kurze Zeit untergebracht werden können. Die Vögel sind im Frühjahr und Sommer draußen in ihrer Voliere und im Winter sind sie innen untergebracht. Die Kaninchen sind in ihren Gehegen ganzjährig in Außenhaltung untergebracht.

Wie werden die Kosten für Futter, Tierarzt und Personal gedeckt?

Der Tierschutzverein hat mit zehn Gemeinden Fundtierverträge und dafür wird eine Pro-Kopf-Pauschale gezahlt. Dieses Geld deckt einen Teil der laufenden Kosten. Ansonsten ist der Verein auf Spenden und Erbschaften angewiesen.

Betreiben Sie Spendenaktionen? Wenn ja, wie?

Wir teilen Spendenaktionen über die sozialen Medien, der Homepage und auf Betterplace. Hauptsächlich sind es Spendenaufrufe für Futter, Tierarztkosten und Kastrationen von Streunern.

Arbeiten Sie mit Tierärzten oder Tierkliniken zusammen?

Wir arbeiten seit vielen Jahren mit einer Tierarztpraxis in Kirchheim zusammen, und die Arbeit der Tierkliniken nehmen wir in Anspruch bei Notfällen oder speziellen Behandlungen und Operationen. Da kommt es auf die jeweilige Verletzung oder Operation an.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie? Sind alles ehrenamtliche Mitarbeiter?

Wir haben im Moment drei Mitarbeiter und eine vierte kommt ab nächsten Monat dazu. Es gibt eine Vollzeitkraft, die anderen haben Minijobs. Ehrenamtliche Helfer haben wir circa 20, ohne sie würde der tägliche Ablauf nicht funktionieren.

Kann jeder ein Tier aus dem Tierheim adoptieren? Welche Kriterien müssen erfüllt werden?

Es kann nicht jeder ein Tier adoptieren. Es müssen sehr viele Kriterien erfüllt werden, dabei kommt es immer auf die Tiere und deren Bedürfnisse an. Platz, Auslauf, Zeit, Wohngegend, finanzielle Mittel und so weiter. Es wird alles geprüft und kontrolliert, bevor ein Tier abgeholt werden darf.

Muss der neue Besitzer das Tier kaufen?

Wir verlangen eine obligatorische Schutzgebühr. Die Menschen zahlen nur für Sachen, die es ihnen wert sind, und ein Tier ist „wertvoll“.

Wie gehen Sie mit verhaltensauffälligen Tieren um?

Mit Hunden haben wir da wenig Erfahrung. Bei Katzen heißt es da Geduld haben und ihnen Zeit geben. In kleinen Schritten Vertrauen aufbauen und sie nicht bedrängen oder zu etwas zwingen. Sie müssen das in ihrem Tempo regeln.

Welche Herausforderungen müssen Sie sich täglich stellen?

Da gibt es einige. Das Schlimmste ist die Ignoranz der Menschen. Die Tiere werden meist unüberlegt angeschafft und wenn die erste Euphorie vorbei ist, kann sich ja das Tierheim darum kümmern. Natürlich ist das tägliche Tierleid ein Thema, man muss damit umgehen können, aber man darf niemals abstumpfen und seine Empathie gegenüber den Tieren verlieren. Es sind nie die Tiere, die größte Herausforderung täglich, sind die Menschen.

Wie können Sie Freiwillige oder die Öffentlichkeit am besten unterstützen?

Der erste Schritt ist der Weg in ein Tierheim. Tiere sollten niemals im Internet oder bei einem Vermehrer gekauft werden, sondern es sollte immer im Tierheim oder bei seriösen Organisationen geschaut werden, ob da das passende Familienmitglied wartet und ein Zuhause sucht. Helfen kann jeder. Jeder kann Futter beisteuern, eine Patenschaft übernehmen, ehrenamtlich helfen, Mitglied in einem Tierschutzverein werden, aufklären, nicht wegschauen und Mitgefühl zeigen für diejenigen, die Hilfe brauchen.

Zur Startseite